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08.10.2021

Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« - Jury bereist die teilnehmenden Ortschaften

Mit dem Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ will der Landkreis Cuxhaven die Dorfgemeinschaften ermutigen, sich ihrer Vorzüge bewusst zu werden und ihre Vorstellungen von der Zukunft ihres Dorfes darzustellen. Diese Herausforderungen haben mit Neuenwalde, Wehdel und Schwegen drei Ortschaften aus dem Landkreis angenommen und sich am 30. September 2021 einer Fachjury des Landkreises Cuxhaven präsentiert.

Es kommt maßgeblich auf das Engagement der Einwohnerinnen und Einwohner für die Erhaltung, Gestaltung und Entwicklung ihres Dorfes an, damit der Heimatort mehr als nur eine Wohn- und Schlafstätte ist. Dann entscheiden sich junge Menschen bewusst für ein Leben in dem Dorf ihrer Herkunft oder sogar ihrer Wahl, weil sie es für lebenswert halten und dort ihre Zukunft sehen. Wie ihnen dies gelingt, konnten die teilnehmenden Ortschaften bei einer Bereisung der Jury aus Vertretern verschiedener Kreistagsausschüsse und Institutionen wie z.B. dem Landvolk, Naturschutzverbänden und Klimaschutzbeauftragten präsentieren und sie so von den Vorzügen und Plänen der Dörfer und ihrer Bevölkerung überzeugen.

Neuenwalde

Als Dorf, mit vielfältigen geschichtlichen Wurzeln, die eng mit der Geschichte des Klosters verbunden sind, präsentierten Ortsbürgermeisterin Ellen Frank und Ortsratsmitglied Dieter Oldenbüttel Neuenwalde. Vor allem viele junge Familien suchten in dieser Ortschaft ihr neues Zuhause. Neben der vorhandenen Grundversorgung mit Geschäften, Kita und Grundschule sei der Grund dafür auch in einem regen Vereinsleben und privaten Initiativen zu finden, die für eine enge Vernetzung der Familien untereinander sorgten. Vernetzung ist ebenfalls ein Stichwort für die Seniorenarbeit, was mit dem Computerclub sogar im wörtlichen Sinne gilt. Dieser bietet in der zum „Haus der Vereine“ umgewidmeten alten Schule vor allem älteren Menschen die Möglichkeit, sich mit Unterstützung auf den Weg in die digitale Welt zu machen. Zahlreiche weitere Angebote wurden von Frank und Oldenbüttel vorgestellt, die im „Haus der Vereine“ und auch andernorts vorgehalten werden. Ohne ehrenamtliches Engagement sei das alles nicht möglich, so Frank – eine Ressource, aus der die Ortsbürgermeisterin besonders reichlich schöpfen kann. So kommt die derzeitige Umgestaltung des alten Friedhofs zu einer Parkanlage nahezu ausschließlich mit ehrenamtlichem Engagement zustande.

Neben einem Testfeld für Windenergie oder einer Solaranlage auf dem modernen Feuerwehrhaus wird der Nachhaltigkeitsgedanke in Neuenwalde besonders mit dem Bürgermobil „mobine“ beschwert. Dieses durch den Verkehrsverein Neuenwalde/Krempel gestützte Carsharing-Modell, soll als Ergänzung des vorhandenen öffentlichen Personennahverkehrs die Mobilität für die Neuenwalder Einwohner erweitern.

Wehdel

In Wehdel wurde die Jury mittags von Ortsvorsteher Horst Schütte am Oldenburger Haus in Altluneberg begrüßt. Stilecht „Op Platt“ gab die Vorsitzende des dortigen Fördervereins, Edda Hemeyer, einen Einblick auf Geschichte und kulturelle Nutzung des denkmalgeschützten Ensembles. Der Ortsheimatpfleger Wehdels, Herr Lehmann, konnte mit vielen interessanten Informationen zum Ortsteil sowie zum benachbarten Rittergut aufwarten. In einer Rundfahrt durch den Ort wurden viele Stationen angefahren, bei denen Ehrenamtliche in die Zukunft gerichtete Projekte vorstellten wie z.B. die Umgestaltung von Plätzen, ein Dorftreff und der Schützenverein. Die besonderen Leistungen der verschiedenen Abteilungen des Sportvereins wurden ebenso von Herrn Schütte vorgestellt, wie auch andere begonnene und angestrebte Entwicklungen der Daseinsvorsorge. Die Ansiedlung von Märkten sowie Ladestationen für E-Bikes sind dafür Beispiele. Auch hier war das ehrenamtliche und verbindende Engagement verschiedener Akteure aus der Mitte der Dorfgemeinschaft für die Jury erlebbar.

Die Besonderheit des Gebietes um den Silbersee mit seinen vielfältigen Naturschutzgebieten aber auch der Einklang mit der touristischen Nutzung (Wochenendhausgebiete, Campingplatz, Minigolfanlage) wurden als letzter Punkt der Bereisung Wehdels eindrucksvoll verdeutlicht.

Schwegen

Anke Lusch begrüßte die Jury gemeinsam mit Heino Rabe in der mit 200 Einwohnenden kleinsten Ortschaft Schwegen. Die zukünftige Ortsvorsteherin lud die Gruppe zunächst zu einer gemeinsamen Planwagenfahrt durch das 5,5 Km lange Dorf ein. „Wir haben hier nicht viel Infrastruktur, aber wir liegen an der Datenautobahn“, berichtete Rabe. Schwegen sei das einzige Dorf, das über eine 100%-ige Versorgung mit Glasfaserkabel bis ins Haus verfüge.

Bei der Fahrt durch den Ort wurde am Stein der Dorfgemeinschaft Schwegen Halt gemacht. Heute ein geselliger Treffpunkt wurde der Platz ursprünglich zum Entschärfen der Kurve geschaffen. Anlässe wie Maibaum aufstellen, Adventskranz aufhängen oder einfach nur der tägliche Schnack der Senioren-Sportgruppe finden hier statt.

Bei der Weiterfahrt im Planwagen wurde die Jury Zeuge einer spektakulären Übung der Ortsfeuerwehr Schwegen. Nach einem weiteren Zwischenhalt beim „Thomas Morus Haus“ von 1870, auf dessen Grundstück jedes Jahr bis zu 6.000 Übernachtungen u.a. mit Zelten stattfinden, stellten sich im Schützenhaus Feuerwehr, Turn- und Schützenverein vor. Diese Vereine nutzen das Dorfgemeinschaftshaus gemeinsam. Besonders wichtige Termine für die Dorfgemeinschaft sind die jährlich 22 Vorstellungen der Theatergruppe „Speeldeel Langendammsmoor“, die seit über 40 Jahren mit insgesamt 4.000 Besuchern regelmäßig ausgebucht sind.

Der 85-jährige Johann Bohling betonte die Eigenleistung der Schwegener, ohne die das alles in den vergangenen Jahrzehnten nicht möglich gewesen sei.

Die Jury wird ihre Erkenntnisse anhand eines standardisierten Bewertungsbogens auswerten, um zu einer Entscheidung kommen, wer Sieger dieses Wettbewerbs werden soll. „Die Wahl wird schwer fallen“, resümiert Kreisrätin Babette Bammann am Ende eines langen Bereisungstages. „Alle Dörfer haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie das vorgestellte tatsächlich leben.“ Generell dürften alle teilnehmenden Dörfer Gewinner sein, so Bammann, vor allem, weil der Wettbewerb allen die Möglichkeiten biete, das eigene Profil zu schärfen und weiterzuentwickeln.

Für den Sieger des Kreiswettbewerbes werden 3.000 €, für den 2. Platz werden 2.000 € und für den 3. Platz 1.000 € ausgelobt, die für Maßnahmen im Dorf verwendet werden sollen. Der Kreiswettbewerb dient außerdem als Vorentscheid für den 27. gleichnamigen Landeswettbewerb. Erstmalig gibt es eine Sonderkategorie, in welcher ein Klimaschutzpreis vergeben wird.

„Im November werden wir die Vertreter der drei teilnehmenden Dörfer zu uns ins Kreishaus einladen, um den Gewinner des Kreiswettbewerbes bekanntzugeben“, teilt der, den Wettbewerb organisierende, Fachgebietsleiter für den Bereich Bauverwaltung, Wohnungswesen, Baudenkmalpflege und Brandschutz Torsten Köhne mit. Der genaue Termin wird demnächst bekanntgegeben.

Autor/in: Presse- und InformationsDienst des Landkreises Cuxhaven